Weihnachtsfeier-Outfit: Was man zur Firmenfeier trägt, wenn kein Dresscode dasteht
Ein Ballsaal, kein Dresscode, ein Rentierpullover, der blinkt. Was ich auf einer Weihnachtsfeier gesehen habe und was ich zur nächsten trage.
Foto: AUERBACHEs gibt Einladungen, die man aus Höflichkeit annimmt, und solche, bei denen man schon beim Öffnen hofft, dass ein Tsunami dazwischenkommt. Die betriebliche Weihnachtsfeier gehört für mich eindeutig zur zweiten Sorte. Was man dort trägt, wenn kein Dresscode auf der Einladung steht, habe ich an einem Abend gelernt, an dem fast alle etwas falsch gemacht haben.
Kurz gesagt: Ohne Dresscode ziehen Sie sich eine Spur eleganter an als im Büro. Ein dunkler Anzug, ein gutes Hemd und eine Krawatte oder Schleife in Bordeaux, Dunkelgrün oder tiefem Blau passen fast immer. Steht Black Tie auf der Einladung, ist es der Smoking mit schwarzer Schleife.
Eine Einladung in die „Unternehmerfamilie“
Vor einiger Zeit rief mich ein befreundeter Berliner Unternehmer an. Beruflich sehr erfolgreich, gesellschaftlich bestens vernetzt und mit der charmanten Angewohnheit, seine eigenen Einladungen für ein Geschenk an die Menschheit zu halten. „Jan, du musst mich zu unserer Weihnachtsfeier begleiten.“ Ich fragte, ob er niemanden aus seinem Unternehmen habe, mit dem er den Abend verbringen könne. „Doch, natürlich. Genau deshalb brauche ich dich.“ Das fand ich überzeugend.
Die Feier fand in einem der großen Berliner Luxushotels statt: Champagnerempfang, festliches Dinner, danach Musik. Die Einladung versprach einen Abend „im Kreise unserer Unternehmerfamilie“. Bei dieser Formulierung habe ich grundsätzlich Bedenken. Eine Familie sucht man sich bekanntlich nicht aus, seine Mitarbeiter schon. Wer mit dem Ergebnis unzufrieden ist, sollte vielleicht die Personalabteilung wechseln, statt Weihnachten zu feiern.
Ein Dresscode stand übrigens nicht auf der Einladung. Eine Nachlässigkeit, die ich beinahe so schwerwiegend finde wie eine Einladung ohne Uhrzeit.
Was ich getragen habe
Ich entschied mich für ein dunkelgrünes Samtjackett, eine schwarze Smokinghose und eine selbst gebundene schwarze Seidenschleife. Mein Gastgeber hatte mich ausdrücklich als Begleitung gewünscht, da wollte ich nicht aussehen, als hätte er mich auf dem Weg vom Parkhaus eingesammelt.
Im Ballsaal wurde mir dann schlagartig klar, wie unterschiedlich man in Deutschland die Wörter „festlich“ und „angemessen“ auslegen kann. Ein Herr trug einen dunkelblauen Anzug, dessen Ärmel schon seit geraumer Zeit den Kontakt zu seinen Handgelenken verweigerten. Ein anderer kombinierte weiße Turnschuhe, schwarze Jeans und ein Sakko, das bessere Zeiten gesehen hatte. Und dann war da noch der Mann im Weihnachtspullover mit blinkendem Rentier. Ich bin ein toleranter Mensch. Aber Toleranz verpflichtet niemanden, jede textile Zumutung auch noch festlich zu finden.
Mein Gastgeber begrüßte mich überschwänglich: „Jan, du siehst fantastisch aus.“ Ich sagte: „Danke, du auch. Wer hat dich angezogen?“ Er: „Meine Frau.“ Ich dachte: Besser ist es. Er trug einen Smoking, allerdings mit einer langen schwarzen Krawatte. „Du weißt schon“, sagte ich, „dass Black Tie nicht heißt, dass man sich irgendein schwarzes Stück Stoff um den Hals hängt.“ Er: „Jan, wir sind hier nicht beim Wiener Opernball.“ Ich: „Das sehe ich.“

Uhren, Reden und der gefährlichste Teil des Abends
Am Nebentisch erzählte ein Herr in bemerkenswerter Lautstärke von seinem sehr erfolgreichen Jahr. Seine Uhr hatte ungefähr den Durchmesser eines Desserttellers. Ich fragte ihn, ob sie auch die Uhrzeit anzeige oder nur den Kontostand. Das fand er nicht lustig. Ich schon.
Gegen halb neun sprach mein Gastgeber über Verantwortung, Zusammenhalt, Wachstum und die Bedeutung jedes einzelnen Mitarbeiters. Diese Reden gehören fest zur deutschen Weihnachtsfolklore, und meine Erfahrung ist: Je häufiger das Wort „Wertschätzung“ fällt, desto wahrscheinlicher gibt es im kommenden Jahr keine Gehaltserhöhung. Ich fragte meine Tischnachbarin, ob danach noch jemand rede. „Nur der Finanzvorstand.“ Dann, sagte ich, könne er ja gleich meine Steuererklärung mitmachen. Sie verschluckte sich beinahe an ihrem Champagner. Endlich jemand mit Humor.
Nach dem Essen begann der gesellschaftlich gefährlichste Teil jeder Weihnachtsfeier: die Phase, in der Menschen glauben, Alkohol mache sie interessanter. Ein Herr aus dem Management hatte die Krawatte abgelegt und tanzte mit einer Begeisterung, die man in seinem Alter sonst nur nach einer gelungenen Hüftoperation erlebt. Gegen Mitternacht versuchte mein Gastgeber, mit dem Finanzvorstand eine Polonaise zu organisieren, die Krawatte über der Schulter. Eine Polonaise braucht kein Mensch, weder auf einer Hochzeit noch auf einer Weihnachtsfeier. Und wenn es davon Fotos gibt, haben die Kollegen fürs nächste Jahr etwas gegen einen in der Hand.
Ich verabschiedete mich. „Jetzt schon? Es wird doch gerade erst lustig.“ Ich: „Ja. Genau deshalb.“ Am Ausgang traf ich noch einmal den Herrn mit dem Rentier. Ein Knopf war inzwischen ausgefallen, das Rentier leuchtete nur noch auf einer Seite. Er sah auf meine Schleife: „Ganz schön schick für eine Weihnachtsfeier.“ Ich sagte: „Sie haben sich offenbar für eine technische Lösung entschieden.“ Das verstand er nicht. Macht nichts.
Was ist der Dresscode für eine Weihnachtsfeier?
Meistens gibt es keinen. Dann richtet man sich nach dem Rahmen: Ein Abend im Hotel verlangt mehr als ein Glühwein im Innenhof. Lieber eine Spur zu gut angezogen als eine Spur zu nachlässig. Steht doch etwas auf der Einladung, hilft diese Übersicht:
| Auf der Einladung steht … | Das passt |
|---|---|
| nichts | eine Spur eleganter als im Büro: dunkler Anzug oder Sakko, gutes Hemd, Krawatte oder Schleife |
| festlich oder elegant | dunkler Anzug in Marine oder Anthrazit, weißes Hemd, Krawatte oder Schleife aus Seide |
| Black Tie | Smoking mit schwarzer Schleife, siehe Dresscode Black Tie |
| casual, Bowling, Kneipe | Sakko zu Chino oder Flanellhose, Rollkragen oder Hemd ohne Krawatte |
Was zieht man zur Weihnachtsfeier im Betrieb an?
Mit einem schönen dunklen Anzug, einem guten Hemd und einer eleganten Krawatte kann man an einem festlichen Abend wenig falsch machen. Im Dezember mag ich Seide in Bordeaux, Dunkelgrün oder tiefem Blau. Wer etwas mehr wagen möchte, nimmt wie ich ein Samtjackett zur dunklen Hose. Unsere roten Krawatten, grünen Krawatten und Einstecktücher entstehen in unserer Berliner Manufaktur.
Schleife oder Krawatte im Dezember?
Eine schöne Schleife kann wunderbar aussehen, allerdings sollte sie zu dem Menschen passen, der sie trägt. Eine Schleife ist kein Ersatz für Persönlichkeit. Wer sie zum ersten Mal trägt, nimmt eine vorgebundene, die sich öffnen lässt; wer binden kann, bindet selbst. Eine Auswahl finden Sie bei den Fliegen, Schleifen zum Selbstbinden in unseren Ateliers.
Was sollte man zur Weihnachtsfeier nicht tragen?
- Die Krawatte mit Weihnachtsmännern. Sie ist keine Persönlichkeit, sondern ein Hilferuf, und zwar ein lauter.
- Blinkende Rentiere und Uhren in der Größe eines Desserttellers.
- Das Outfit eines zwanzigjährigen Start-up-Gründers. Weiße Sneaker zum Anzug machen niemanden jünger. Sie lassen einen nur aussehen wie jemand, der seinen Kindern auf Instagram folgt, damit sie ihn beachten.
- Hemden, die zu eng sind. Wenn zwischen zwei Knöpfen die Unterwäsche zu sehen ist, ist das kein modisches Statement, sondern bevorstehende Materialermüdung.
Und dann das Benehmen. Was mich an solchen Abenden immer wieder fasziniert, ist nicht die Kleidung. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der manche glauben, gesellschaftliche Regeln seien mit dem ersten Glas Champagner außer Kraft gesetzt. Dabei ist gutes Benehmen gerade dann wichtig, wenn niemand mehr darauf achtet. Trinken Sie so viel, dass Sie am nächsten Morgen noch wissen, was man Ihnen angeboten hat. Kaum etwas ist peinlicher, als am Montag dem Vorgesetzten gegenüberzustehen, den man am Freitag unter Tränen zum Seelenverwandten erklärt hat.
Jans Regel: Stil ist nicht die Kunst aufzufallen, sondern die Kunst, in Erinnerung zu bleiben, ohne sich anschließend entschuldigen zu müssen.
Wer für den Abend noch eine Schleife sucht oder sich beraten lassen möchte, kommt in eines unserer Ateliers in Berlin oder Leipzig, gern mit Termin. Die Adressen stehen unter Standorte.
In diesem Sinne: Man muss auf einer Weihnachtsfeier nicht der Reichste, Wichtigste oder Auffälligste im Raum sein. Es reicht vollkommen, derjenige zu sein, über den am nächsten Morgen am wenigsten gesprochen wird.